© Iris Nieland

Und plötzlich bin ich Landtagsabgeordnete

Es war Sonntag, der 13. März 2016, Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Mit meinem Mann war ich früh im Wahllokal. Danach wollte ich den ganzen Tag nichts mehr von Politik hören. Langjährige Freunde hatten uns eingeladen und das bedeutete einen Tag in einer Umgebung, in der Politik nicht das wesentliche Thema sein würde. Der zurückliegende Wahlkampf hatte an den Nerven gezehrt, und wir lenkten uns an jenem Sonntag mit diesem Ausflug von der latenten Unruhe ab.

Das alles war anfänglich gar nicht geplant gewesen. Erst auf einen Vorschlag meines AfD-Kreisverbands in Bad Dürkheim habe ich mich auf die Liste zur Landtagswahl setzen lassen. Ich stand dort auf Platz 12, und lange sah es so aus, dass ich keinerlei Chancen hätte, wirklich nach Mainz gewählt zu werden. 3,5 bis 4 Prozent für die AfD lauteten erste Prognosen Monate vor der Wahl. Es war die problematische Zeit, als die Abspaltung von Bernd Lucke und dessen Anhängern von der AfD die Medienschlagzeilen einnahm. Sehr hart arbeiteten wir im Dezember daran, die nötigen Unterstützer-Unterschriften für eine Wahlteilnahme bei den Bürgern zu sammeln. Die AfD wurde schließlich offiziell zur Wahl zugelassen. Und langsam stiegen die Umfragewerte. Hoffnung keimte auf, als endlich von über 5 Prozent die Rede war. Doch der Wert wuchs von Woche zu Woche an. Ein Parteikollege sagte mir plötzlich zwinkernd: “Wenn wir über 11 Prozent sind, bist Du drin.”

Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Ich dachte darüber nach, was mit meinem Leben passiert, wenn ich gewählt würde. Welche Veränderungen würden sich damit auch privat für mich ergeben? Nicht einmal das Radio stellte ich im Auto an, als wir am Wahlsonntag nach hause zurückkehrten. Dann summte das Handy. Eine SMS meines Stiefsohns. Es sehe doch gut aus, schrieb er. Bald darauf sah ich 12,6 Prozent für die AfD. Und plötzlich wurde mir klar, dass mein Leben eine Wendung genommen hatte: Ich bin Landtagsabgeordnete geworden.

Meine Bewerbung ist in eine neue Aufgabe gemündet, eine Pflicht, der ich mich nun stelle. Natürlich denke ich über meine neue Rolle nach. Am Tag nach der Wahl, bei einem Spaziergang mit meinem Mann, stellte ich die Frage, wie ich es wohl vermeiden könnte, dass ich die Art von Politiker würde, deren Verhalten heute nicht meine Billigung findet.

Vielleicht kann ich ein Mittler sein. Ein Mittler zwischen der Welt der Politik und der Welt der Bürger, in der ich auch weiterhin lebe. Es ist ja ein wertvoller Aspekt, dass sich durch uns viele Menschen bewusst wurden, dass sie eine politische Stimme haben. Die vielen politischen Diskussionen in der Wahlzeit und die bemerkenswerte Erhöhung der Wahlbeteiligung sind für mich der Beleg, dass viele Menschen in Deutschland, sehr wohl wissen, welche Werte wesentlich sind.

Deshalb beschloss ich, meine Erlebnisse als Politikerin auf dieser Blog-Seite mitzuteilen. Zugleich soll die Seite dazu dienen, meine politische Arbeit für interessierte Bürger zu dokumentieren.

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